Die Anfänge in den Nachkriegsjahren

Gründung der Clemens-August-Schule

"Zu Ostern 1947 war die Kreuzbergschule auf 27 Klassen angewachsen. tl_files/img/galerie/archiv/Claus-2.jpgBis zum Jahre 1950 ist ein weiteres Ansteigen bis auf 32 Klassen zu erwarten.  Deshalb wurde die Kreuzbergschule in zwei selbständige Rektorate aufgeteilt. ... Der Schulbezirk südlich der Münsterstraße führt den alten Namen Kreuzbergschule weiter, hat vorläufig 12 Klassen und 627 Kinder. ... Für den Schulbezirk nördlich der Münsterstraße wurde der Name Clemens-August-Schule vorgeschlagen. ... Sie hat 14 Klassen mit 14 Klassen mit 765 Kindern."

13.05.1947: Der Unterrichtsbeginn wurde auf 9 Uhr festgesetzt.

Vormittagsunterricht:     9.00 - 13.45 Uhr

Nachmittagsunterricht : 14.00 - 18.45 Uhr

 

Hunger und Not

29.11.1947: Auf Veranlassung des Herrn Sozialministers wurde festgestellt (von 761Schülern):

1.    313 Schüler kamen ohne Frühstück

2.    276 Schüler haben keine ordentliche Fußbekleidung  

3.    297 haben keine ausreichende Winterkleidung

ein Maßstab für das soziale Elend unserer Zeit.

 

Weihnachtszuteilung

22.12.1947: Weihnachtszuteilung für alle Schüler und Schülerinnen:

Jedes Kind erhielt:

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100 g Kakaopulver                     100 g Erdnüsse (geschält)

250 g Süßmehl                            250 g Schokoladenmehl

2 Süßstangen                              2 Nährstangen

1 Tafel Schokolade                     8 Stücke Keks

Die Schüler zahlten dafür RM 3,--, minderbemittelte RM 1,50

Erweiterung des Schulgebäudes

16.02.1948 "Nach Einsegung durch Herrn Pfarrer Becking wurden die beiden auf dem Schulhof errichteten Nissenhütten in Benutzung genom-men. Die Clemens-August-Schule verfügt nun bei 10 Lehrkräften über 10 halbe Klassenräume."

Ferienspeisung

24.03.1948 Am letzten Schultag erhielten alle Kinder, ausgenommen die Kinder der Selbstversorger als Ferienspeisung:

1 Pfd. Bohnenmehl                        1 Dose Fleisch (170 g)

1 Dose Marmelade (300 g) oder 3 Dosen Pudding (je 100 g)

1 Dose Fleischaufstrich (100g)    2 Rollen Nährkrafttabletten

Die Kinder zahlten dafür RM 1,--, die Kinder der Wohlfahrtsempfänger RM 0,50.

 

21.06.1948: Tag der Währungsreform

Pro Kopf wurden 60 Reichsmark in DM umgetauscht. Waren, die unbekannt geworden waren erschienen plötzlich wieder in verhältnismäßig großer Auswahl. Artikel, die man bisher völlig entbehrt hatte, wurden reichlich angeboten. Für die Lohn- und Gehaltsempfänger wird eine bessere Zeit erwartet. Es war geradezu ein unwürdiger Zustand, daß Lehrerfrauen bei der Landbevölkerung betteln mußten, damit ihre Männer in der Schule nicht zusammenbrachen.

21.07.1948: Beginn der Sommerferien:

Die Schulspeisung wird in den Sommerferien in der Form durchgeführt, daß sie von den bestehenden Volksküchen ausgegeben wird. Von der Clemens-August-Schule meldeten sich für die Teilnahme 22 Kinder, von der Kreuzbergschule 93, insgesamt 115, während sonst etwa 1350 Kinder an der Speisung teilnahmen. Auch ein Beweis dafür, daß sich die Ernährungslage wesentlich gebessert hat.

 

21.12.1948: Weihnachtsferien:

Während der Weihnachtsferien wurden in jeder Klasse etwa 25 Kleiderhaken angebracht. Die Kleiderhaken im Flur können wegen Mangel an Ehrlichkeit nicht benutzt werden. Die abgesunkene Moral, die im öffentlichen Leben überall spürbar ist, hat auch bei vielen Kindern die Begriffe "mein" und "dein" vollkommen verwischt.

Ostern 1949:

Neuaufteilung der Clemens-August- und der Kreuzbergschule

Mit Beginn des neuen Schuljahres wurden die Schulgrenzen der beiden Schulen aufgehoben. Beide Schulen verfügen nun über den gleichen Schulbezirk. Die Clemens-August-Schule wird zu einer Knabenschule, die Kreuzbergschule zu einer Mädchenschule.

Sommerferien 1950: Schulspeisung

Mit dem Beginn der Sommerferien nahm die Schulspeisung in ihrer bisherigen Form ihr Ende. Seit März 1946 ist sie regelmäßig an die Kinder verteilt worden. Die wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich inzwischen soweit gebessert, das von der Notwendigkeit allgemeiner Verteilung nicht mehr gesprochen werden konnte. Sie bedeutete für die Elternhäuser eine große Entlastung und hat wesentlich dazu beigetragen, besonders in den Hungermonaten der Jahre 1946 und 1947 die Gesundheit der Kinder zu erhalten. In dieser Zeit wurde wiederholt festgestellt, daß bis zu  25% der Kinder morgens nüchtern zur Schule kamen. Leider haben manche Kinder diese Zeit zu schnell vergessen. In den letzten Wochen und Monaten wurde die Schulspeisung von manchen Kindern nicht mehr in der gebührenden Weise geachtet. Ein Teil der Kinder nahm nur noch deshalb teil, weil wöchentlich Schokolade verteilt wurde. Ob die Schulspeisung im September in anderer Form wieder aufgenommen wird, steht noch nicht fest.

November 1950: Koksvorräte aufgebraucht

Die Koksvorräte in der Schule Fildeken sind aufgebraucht. Der Unterricht in der Schule wird aufgegeben. Damit kehren die zur Fildekenschule verlegten 5 Klassen zur Clemens-August-Schule zurück. Die Nissenhütten werden wieder eingeschaltet. Weitere Unterrichtskürzungen sind die notwendige Folge. Die Kinder der Fildekenschule gehen zur Clemens-August-Schule zum Unterricht. Jede Klasse erhält 2 Stunden Unterricht. In den 8 Klassen der Clemens-August-Schule und in den 2 Nissenhütten müssen 39 Klassen = 1913 Schüler unterrichtet werden.

In einer gemeinsamen Besprechung aller Schulleiter mit der Stadtverwaltung stand die Kokskrise zur Erörterung. Die Stadtverwaltung will alles versuchen Koks zu beschaffen. Vorläufig sollen die vorhandenen Vorräte auf die Schulen verteilt werden, um wenigstens bis Weihnachten einen geordneten Schulbetrieb zu gewährleisten. Am Montag, dem 4. Dezember soll die Fildekenschule den Unterricht wieder aufnehmen.

Januar 1951:

Infolge der allgemeinen Kohlennot wurden die Weihnachtsferien bis zum 15. Januar verlängert.

Juni 1951: Ende der Schulspeisung

Mit Beginn des Monats Juni wurde die Schulspeisung eingestellt. Es nahmen bisher noch 279 Kinder daran teil. Eine Notwendigkeit der Schulspeisung in diesem Maße kann nicht mehr anerkannt werden. Dafür zeugen die Brotreste, die auf dem Schulhof und in den Klassenräumen liegen bleiben. Die Hungerjahre wurden leider zu schnell vergessen.

Weihnachtsferien 15. 12. 1951 - 9. 1. 1952

Infolge der Kohlenknappheit fielen die Herbstferien aus. Sie wurden mit den Weihnachtsferien vereinigt.

Sommerferien 1952

Im westlichen Bundesgebiet erkrankten sprunghaft an verschiedenen Orten Schulkinder und Jugendliche an Kinderlähmung. In Bocholt starb ein 15 jähriger Junge. Als vorbeugende Maßnahmen wurden jegliche körperliche Anstrengung wie auch geistige Belastung verboten. Die Bundesjugendspiele wurden unterbrochen und auf unbestimmte Zeit verschoben. Auf Grund eines Erlasses des Kultusministeriums wurden die Sommerferien bis einschließlich bis 15. 09. verlängert, um der Gefahr einer weiteren Verbreitung der Kinderlähmung vorzubeugen.

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Lehrerkollegium Sommer 1952

(von links nach rechts)

Lehrer Prause, Lehrer Thüsing, Lehrer Buß, Lehrer Schwarzwald, Lehrer Dirksmeyer, Lehrer Lesting, Lehrer Webels, Lehrer Wagner, Rektor Drees, Lehrer Krauß, Lehrer Hermann, Lehrer Hawranke fehlte